Die Folgen der Landflucht

Die Folgen der Landflucht
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Sie lieben Berlin, München oder Hamburg? Das können wir verstehen, die großen Metropolen Deutschlands sind Magneten für junge Studierende, Berufseinsteiger und mittlerweile auch für Familien. Welche Folgen hat diese Landflucht? Wie wirkt sie sich auf die Immobilienpreise aus und was gilt es für Anleger zu beachten?

Der Begriff Landflucht ist mit dem Begriff der Urbanisierung gleichzusetzen. Das bedeutet, mehr Menschen ziehen aus ländlichen Gebieten in die größeren Städte, als umgekehrt – ein Prozess, der seit Jahrhunderten anhält. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts blühte das städtische Umland, der sog. Speckgürtel, massiv auf, doch in den letzten Jahren zieht es immer mehr Menschen in die Kernstädte. Vor allem Berlin, München und Hamburg sind wachsende Metropolen, die jedes Jahr massiven Zuwachs erhalten. Was sind die Auswirkungen für Stadt und Land?

 

 

Die Städte quillen über – oder?

Auf den ersten Blick erfahren deutsche Metropolen mit hohem Zuwanderungswachstum mehr Vor- als Nachteile: Da viele dieser Zuwanderer junge Studenten sind, entwickelt sich die regionale Hochschullandschaft. Berlin ist nach Wien mit seinen 40 Hochschulen und 140.000 Studenten der zweitgrößte Hochschulstandort im deutschsprachigen Raum. Das bringt natürlich Leben in eine Stadt; wachsendes Nachtleben und in aller Regel auch ein Zuwachs an Neugründungen. Gründungen bedeuten Innovation und frische Ideen, das beflügelt Wirtschaft und Kultur gleichermaßen.

Andererseits schwächen diese Gründungen die heimische Wirtschaft. Berlin ist mit seinen 200 Neugründungen pro 10.000 Einwohner deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Viele alt eingesessene Berliner Unternehmen beklagen sich über Fachkräftemangel.

Ein bekanntes Phänomen der Landflucht ist die Wertsteigerung der Immobilien. Vor allem für Immobilienbesitzer ist das ein Traum: Der Anstieg der Immobilienpreise hat in den letzten Jahren enorme Ausmaße angenommen – zwischen 2010 und 2016 sind die Preise in München um 114% angestiegen – sodass Immobilienbesitzer bei aktueller Marktlage viel Geld verdienen können.

Die Entwicklung hat aber auch Nachteile. Die Mietpreise in den deutschen Kernstädten sind stark angestiegen und für junge Studenten ein echtes Problem. In Berlin sind die Mietpreise zwischen 2010 und 2016 um mehr als 35 Prozent gestiegen, wohingegen Löhne und Kindergeld kaum gestiegen sind. Das Ergebnis ist ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum in großen Städten.

Aber auch für Eigentümer ergeben sich aus den hohen Mietpreisen einige Nachteile: Da Mieten und Immobilienpreise nicht gleich proportional ansteigen, sinkt die Mietrendite. Das führt dazu, dass Immobilien, die als Kapitalanlage genutzt werden, zu Spekulationsobjekten verkommen. Dabei wird im 10-Jahres-Rhythmus darauf gewettet, dass die Immobilienpreise immer weiter steigen. (Mehr dazu in unserem Artikel „Immobilien als Altersvorsorge“.) Dies könnte dazu führen dazu, dass die Immobilienpreise immer weiter steigen, der Markt sich aufbläht und mit einem gewaltigen Knall in sich zusammenbricht, den am Ende auch die Mieter zu spüren bekommen können.

 

Was passiert mit den ländlichen Regionen?

Die Leidtragenden der Landflucht sind die Menschen auf dem Land. Während sich die Mieter der Großstädte über Wohnungsmangel und zu hohe Mietpreise beklagen, klagen die Eigentümer auf dem Land über das Fehlen von Mietern und geringen Preisen. Während in den Städten kleine Einzelhandelsgeschäfte zu Gunsten großer Discounter schließen müssen, können sich diese auf dem Land fast nicht halten. Dadurch, dass junge Menschen aus dem Land in die Städte ziehen und in der Regel dort auch bleiben, hebt sich der Altersdurchschnitt der ländlichen Bevölkerung, heimischen Firmen fehlt es zunehmend an jungem qualifizierten Personal, was wiederum das hiesige Bruttoinlandsprodukt (BIP) senkt. Viel dramatischer ist aber der Rückgang der Infrastruktur, einer der Gründe für die Landflucht – hier schließt sich ein Teufelskreis. Weil Nachtleben, Kinos und Geschäfte auf dem Land zunehmend verschwinden, ziehen mehr junge Menschen in Gegenden, in denen es diese Angebote gibt. Das führt zu Problemen der Gesundheitsversorgung. Und auch Eigentümer haben zunehmend Schwierigkeiten auf dem Land und in den Kleinstädten. Viele kleine Städte bieten potenziellen Käufern Häuser zu niedrigsten Preisen. Warum sollten junge Menschen, die in diese Gegenden ziehen, noch mieten?

 

Die Landflucht und das Klima

Auf der anderen Seite werden in Zeiten, in denen der Klimaschutz global immer wichtiger wird, in westlichen und auch einigen östlichen Metropolen viele Klimaschutz-Maßnahmen ergriffen. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Nutzung von Autos sind in großen Städten besser regulier- bzw. subventionierbarer als auf dem Land. Auf dem Land benötigt man mit dem 18. Lebensjahr ein Auto, um mobil zu sein. In der großen Stadt besitzt man mit guten Fahrradwegen, U-, S- und Tram-Bahnen, sowie einem soliden Busnetz ökofreundliche Alternativen zum Automobil. Laut Berechnungen der London School of Economics belastet der durchschnittliche Bewohner New Yorcks die Luft mit 10 Tonne Kohlenstoffdioxid, der durchschnittliche Amerikaner hingegen mit 25 Tonnen CO2.

Zusätzlich sind Städte die Träger des Wohlstands: Megastädte wie Sao Paolo und Mexiko City steuern rund die Hälfte zum Nationaleinkommen ihrer Länder bei. Zusätzlich kann gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise die Bildung von urbanen Zentren genutzt werden. Viele Flüchtlinge bringen genügend Qualifizierungen und Potenzial mit, um die Lücke von Fachkräften und Handwerkern zu schließen.

 

Damit wird deutlich, dass die viel gescholtene Landflucht nicht nur negative, sondern durchaus auch positive Aspekte hat.

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